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Gottes Sohn auf dem Motorrad – Jevgeni Ennio Solomko schafft Jesusbilder mit künstlicher Intelligenz

Aktuell hängen in der Kirche St. Johannes in Zug Jesusbilder, die der ukrainische Künstler Jevgeni Ennio Solomko mit künstlicher Intelligenz erstellt hat. Wie ist er vorgegangen und was will er uns mit den KI-Bildern sagen?

So könnte Jesus in der heutigen Zeit aussehen. Bild: Jevgeni Ennio Solomko

Die meisten kennen zwei klassische Darstellungen von Jesus: am Kreuz und beim Emporsteigen in den Himmel. Doch wie wäre es mit Jesus auf dem Motorrad, in einer silbrig glitzernden Hängematte oder am Smartphone? Genau so zeigt der ukrainische Künstler Jevgeni Ennio Solomko Gottes Sohn. Aktuell präsentiert er seine 14 Bilder im Rahmen der Ausstellung «Jesusbilder WELToffen» in der Kirche St. Johannes in Zug. Das Besondere an ihnen: Jevgeni Ennio Solomko hat alle mithilfe Künstlicher Intelligenz geschaffen. «Ich habe versucht, der Künstlichen Intelligenz meine Überzeugungen von Spiritualität und Glauben zu vermitteln», sagt Solomko im Interview, welches auf Englisch stattfindet. Wie ging er dabei vor?

Jesusbilder mit ChatGPT und Dall-E generieren

Zunächst gab der Künstler bei der textbasierten, künstlichen Intelligenz ChatGPT Prompts (Stichworte und Beschreibungen) ein. Diese verfeinerte der 38-jährige Künstler zusehends. Zur ästhetischen Gestaltung der Jesusbilder verwendete er das Computerprogramm Dall-E, welches Textbeschreibungen bzw. Prompts visuell umsetzt. So entstanden innert vier Monaten 14 KI-Bilder von Jesus, die ihn in der heutigen Welt zeigen. «Mein Ziel war es, Jesus in einer zeitgemässen und verständlicheren Form darzustellen. Meine Serie zeigt Jesus beispielsweise in einer städtischen Umgebung oder im Kontext moderner Technologien», sagt Jevgeni Ennio Solomko. Zugleich sei es ihm wichtig gewesen, «das Wesen seines Bildes zu wahren». «Jesus ist für mich ein Symbol für Wahrheit, Reinheit und das heilige Feuer, das unsere Laster durch die Kraft der Liebe verbrennt», beschreibt er. Jevgeni Ennio Solomko ist in einer christlich-orthodoxen Familie aufgewachsen. Heute versteht er sich als Agnostiker.

Jevgeni Ennio Solomkos Bilder lassen viel Raum für Interpretationen. Foto: Roman Ambühl

Buddha oder Jesus?

Betrachtet man Solomkos KI-Bilder fällt auf, dass er Jesus mehrmals im Schneidersitz zeigt, einer Sitzvariante, die an Buddha im Lotussitz erinnert. «Ich wollte Jesus bewusst sitzend und meditierend darstellen», betont er. Für viele Menschen bereichere die Meditation das Leben, meint der Künstler und fügt an: «Zudem spielt es keine Rolle, ob in jenen Bildern Jesus oder Buddha gezeigt wird. Im Endeffekt geht es um dieselbe höhere Energie.»

Gottes Sohn als Naturliebhaber

Weitere Jesusbilder greifen Naturelemente auf wie zum Beispiel ein Farnblatt. «Bei diesen Bildern habe ich untersucht, wie Jesus Energien und Organismen betrachtet», erklärt er. Dadurch stellt der Künstler eine Verbindung zur Natur her. «Diese Darstellungen zeigen die Universalität seiner Mission, denn seine Liebe und sein Opfer erstrecken sich auf alle Formen des Lebens», erklärt Jevgeni Ennio Solomko.

Nach dem Künstler symbolisiert der Kaktus die Schwierigkeiten und die Blüten die Schönheit des Lebens. Bild: Jevgeni Ennio Solomko

Pfarreiseelsorger hat die Ausstellung organisiert

Bereits seit dem 2. Februar hängen die KI-Bilder in der Kirche St. Johannes in Zug. Bis zum 15. April sind sie dort zu entdecken. Die Ausstellung «Jesusbilder WELToffen» hat Roman Ambühl, Pfarreiseelsorger der Kirche St. Johannes organisiert. Er beschreibt sie folgendermassen: «Die Ausstellung lädt zur Reflexion über das Ewige und die Gegenwart ein. Sie eröffnet eine metaphysische Reise, bei der die Besuchenden das Bild von Jesus neu betrachten können.»

Artikel in der Zuger Zeitung

Ganz anders als am Kreuz: Jesus in einer glitzernden Hängematte. Bild: Jevgeni Ennio Solomko