An ein bis zwei Freitagabenden pro Monat findet im Pfarreiheim St. Martin in Baar der Jugendtreff JAM statt. Das grosse Highlight am letzten Freitag war es, gemeinsam Konfetti-Cupcakes zu backen. Über 30 Kinder und Jugendliche waren dabei. Doch es sind nicht nur die Cupcakes, die die Jungen am JAM so schätzen.
Am Freitagabend war das Pfarreiheim St. Martin wohl einer der belebtesten Orte in ganz Baar. Über 30 Kinder und Jugendliche backten gemeinsam Cupcakes, spielten Fussball, knüpften Freundschaftsarmbänder oder setzten sich gemütlich zum Plaudern zusammen. «Würde der Jugendtreff heute Abend nicht stattfinden, dann sässen die Kinder und Jugendlichen zuhause vor TikTok oder Snapchat», sagt Bettina Fink, zuständige Fachperson für die Jugendarbeit der Pfarrei St. Martin. «Oder sie würden in der Kälte am Bahnhof Baar herumhängen.» Dies sei doch traurig, so Fink. Aus diesem Grund hat sie den Jugendtreff JAM ins Leben gerufen. Das Angebot existiert bereits seit zwei Jahren und richtet sich an alle Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse bis und mit 3. Oberstufe in Baar. Der Jugendtreff ist jeweils an ein bis zwei Freitagabenden pro Monat geöffnet. Doch was motiviert die jungen Leute in den JAM zu kommen?
Das sagen die Kinder und Jugendlichen zum JAM
«Wenn ich nicht hierherkomme, ist es mir an einem Freitagabend langweilig – auch meinen Freunden. Dann gamen wir die ganze Zeit», sagt Kevin. Einen anderen Aspekt betont Melina: «Es kommen Kinder und Jugendliche von allen Schulen in Baar hierher. So kann man neue Freunde kennenlernen.» Eline sagt: «Hier im Jugendtreff JAM ist es chillig. Es gibt verschiedene Räume. In einem kann man mit einem Töggelikasten spielen, in einem anderen Raum Ping Pong. Wir machen immer etwas Anderes.»
Konfetti-Cupcakes backen – das grosse Highlight
Neben diesen regulären Angeboten sorgt Bettina Fink an jedem JAM-Freitag für eine zusätzliche, besondere Aktivität. «Ich frage die Kinder und Jugendlichen jeweils nach ihren Wünschen und stelle anschliessend ein Programm zusammen», erklärt sie. Das grosse Highlight an diesem Freitagabend: gemeinsam Konfetti-Cupcakes backen.
In Fünfergruppen mischten die jungen Leute nacheinander einen süssen Teig und gaben farbige Zuckerstreusel oder kleine Marshmallows bei, die die Konfettis symbolisierten. «Ich mag Cupcakes so», schwärmt Tristan, «und es ist cool, neue Sorten auszuprobieren.» Kochen und Backen sind bei den Kindern und Jugendlichen besonders beliebt, sagt Bettina Fink. Deshalb stehen diese öfters auf dem Programm. Ganz neu dagegen ist das Kioskprojekt.
Demian leitet den neuen Kiosk
Seit diesem Freitag steht nun an jedem JAM-Freitag ein kleiner Kiosk im Eingang des Pfarreiheims. An diesem verkauft Demian Süssigkeiten, salzige Snacks und alkoholfreie Getränke. «Es motiviert mich extrem, wenn die Leute etwas bei mir kaufen und danach glücklich sind. Verkaufen ist eine Leidenschaft von mir», sagt Demian, der das 10. Schuljahr besucht und bereits eine Schnupperlehre im Bereich Verkauf absolviert hat. Die Kinder und Jugendliche schätzen den neuen Kiosk sehr. Immer wieder stellten sich weitere an. Dabei fiel auf, dass ihr Alter von 10 bis 16 Jahren reicht. Bergen so viele Altersstufen vereint in einem Jugendtreff kein Konfliktpotential?
«Ich kenne keinen Jugendtreff mit so vielen Räumen wie hier»
In den vergangenen zwei Jahren ist es noch nie zu einem Zwischenfall gekommen. Die jungen Leute verstehen sich gut. Der Jugendtreff für Lernende der 5. Klasse bis und mit 3. Oberstufe funktioniert so gut, weil sich die unterschiedlichen Altersgruppen in verschiedene Räume zurückziehen können. «Ich kenne keinen Jugendtreff mit so vielen Räumen wie hier», sagt Bettina Fink. Ein weiterer Vorteil des Pfarreiheims St. Martin: die Räume verteilen sich auf drei bis vier Stockwerke. Auf jedem herrscht reger Betrieb. Die jungen Leute rennen herum, treffen sich in den Gängen oder setzen sich spontan auf die Treppen. Auf den ersten Blick wirkt der Jugendtreff JAM wie ein grosses «Chäferfäscht». Doch hinter diesem steht viel mehr.
Tiefere Bedeutung
In Jugendtreffs mag es «chillig» sein, doch sie sind mehr als nur ein Ort zum Abhängen. «Neben der Schule haben sie hier die Möglichkeit, wichtige Sozialkompetenzen wie Teamarbeit, Konfliktlösung und respektvolles Miteinander zu trainieren», betont Bettina Fink, «Durch gemeinsame Projekte, kreative Aktivitäten und den Austausch mit Gleichaltrigen lernen sie, Verantwortung zu übernehmen, Empathie zu entwickeln und sich in einer Gemeinschaft zurechtzufinden.» Ausserdem vermittelt die kirchliche Jugendarbeit Werte wie Nächstenliebe und gegenseitigen Respekt.
«Im kirchlichen Umfeld eine tolle Zeit mit Freunden zu erleben oder auch spezielle Projekte wie der Kiosk motivieren die jungen Menschen dazu, einen Bezug zur Kirche aufrecht zu erhalten und sich ehrenamtlich zu engagieren», betont Bettina Fink. Ein schönes Beispiel dafür ist Demian. «Oberstufenschüler wie Demian schnuppern so ins Pfarreileben hinein und gewinnen dadurch einen Einblick in die kirchliche Gemeinschaft», erklärt sie und fügt an: Vielleicht werde er sich längerfristig engagieren. Doch dies sei kein Muss. Der JAM richtet sich an alle Schülerinnen und Schüler unabhängig eines zukünftigen Engagements und unabhängig ihres Glaubens.
Des Weiteren ist der Jugendtreff ein Ort für Sensibilisierungsarbeit. «Beobachte ich beispielsweise, dass ein Jugendlicher öfters Energy Drinks trinkt, spreche ich ihn darauf an», sagt Fink. Anschliessend kläre sie über das Koffein darin auf. Auch über die E-Zigaretten Vapes habe sie bereits mit den Jugendlichen gesprochen. Alkohol ist im Jugendtreff strikt untersagt und das Internet stellt Bettina Fink um 20 Uhr aus. «Der Jugendtreff JAM ist ein geschützter Ausgangsort für Kinder und Jugendliche. Das Bedürfnis nach solchen Orten des Zusammenseins ist bei ihnen gross», sagt Bettina Fink.